Klezmer

Traditionelle Klezmer-Musik ist die typische Musik, wie sie in den Schtetln des Ostjudentums über Jahrhunderte gepflegt wurde. Sie ist „Stimmungsmusik“ im wahrsten Sinne des Wortes und drückt aus, was das Leben gefühlsmäßig zu bieten hat. Sie bewegt die Herzen der Zuhörer, bringt sie zum Weinen und zum Lachen, und ist somit ein authentischer Ausdruck des Lebens mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Ähnlich wie bei Blues und Gospel spiegeln sich Freude und Leid des Volkes in dieser Musik wieder.

Der Begriff „Klezmer“, richtig ausgesprochen „Klejsmer“, kommt aus der jüdischen Tradition. Im Hebräischen sind es zwei Wörter: „Klej“ bedeutet Instrumente, und „Semer“ Lied. Im Jiddischen sind die beiden Wörter zusammengefasst; „Klejsmer“ – als Oberbegriff für Musik, Musikanten und alles, was mit musikalischem Ausdruck zu tun hat. Klejsmermusik wie wir sie heute kennen ist stark mit der Kabbala (Mystik des Judentums) verbunden.

Die Kabbala ist auch maßgebend für die Entstehung des Chassidismus im 17. Jahrhundert. Damals, zur Zeit der „Baalej Schem“ (Wunderrabbis) wurde die große Wirkung der musikalischen Sprache neu entdeckt.

Man sprach der Klejsmermusik die Kraft zu, den Himmel zu öffnen, Engel zu beleben, Wünsche und Gebete direkt in Gottes Ohr zu leiten. Da die Seele bei diesem Ritual die Hauptrolle spielt, sind jüdische Menschen gewohnt, beim Singen, Beten, Komponieren und Musizieren ihre Seele ganz offen nach außen zu präsentieren. So entsteht ein extrem starker Ausdruck.

JEWISH SOUL – jüdische Musik zwischen Klassik, Jazz und Klezmer.

Ob bei Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard Strauss, Jaco Pastorius, Michael Brecker, Chic Corea oder traditioneller Klezmer-chassidischer Musik und eigenen Kompositionen, in Irith Gabrielys Interpretationen spannt sich der jüdische Faden durch alle Werke ihres Repertoires. Dies zeigt sich in ihrer unverkennbaren Art zu musizieren: sehr rhythmisch, temperamentvoll, virtuos und sehr emotional mit bezauberndem Klarinettenklang.

Rabbi Nachman aus Breslau fasste es einmal sehr treffend in Worte: „Es gibt nichts, was im Himmel besser ankommt, als ein Seufzer, der aus tiefstem Herzen kommt“.

Für Irith Gabriely ist die Musik die Sprache des Herzens, die alle Menschen verbindet, egal ob Juden, Christen oder Moslems. Musik versteht sie als magische Kraft, die den Himmel öffnet. Schließlich sind die Menschen in ihren Konzerten nicht einfach nur konsumierendes Publikum, sondern nehmen Teil an jüdischer Tradition und Lebensweise. Hierzu gehören Geschichte und Geschichten, Sprache und Sprüche, die Irith Gabriely mit viel Humor und selbstironischem Charme zwischen die Musikstücke streut.

Sowohl mit ihrem Ensemble „Colalaila“, in der Besetzung Klarinette, Violine, Akkordeon, E-Bass, als auch in Duo-Besetzungen mit dem Pianisten Peter Przystaniak oder Martin Wagner am Akkordeon (New Accents) wird dies lebendig. Ihr Begegnungsprojekt „Church meets Syangogue“ zusammen mit dem Organisten Hans-Joachim Dumeier möchte zum Ausdruck bringen, wie schön das Musizieren über Konfessionsgrenzen hinweg sein kann“.